Vydra erleben

Modrava

Modrava in dem heutigen Aufbau kann man als das bedeutende touristische Zentrum in der oberen Bergregion des Böhmerwaldes im Sommer wie im Winter bezeichnen. Es ist ein Gebirgskurort, 980 m hoch, mit allen notwendigen Einrichtungen für Tagesgäste und Urlauber, die sich in den zahlreich entstandenen Pensionen und Hotels einquartierten. Dieser Ort ist idealer Ausgangspunkt für den Wander- wie den Fahrradtouristen und im Winter für den Skiläufer. Zahlreiche Loipen werden gepflegt. Durch die Lage der Hochmoore rund um den Ort und die dadurch geringen Höhenunterschieden sind auch längere Routen weniger anstrengend. Bevor wir eine erste Wanderung machen, lernen wir den Ort Modrava genauer kennen.

 

Die Vydra bei Modrava
Die Vydra bei Modrava

Bei meinen Wanderungen im letzten Herbst musste ich wieder einmal feststellen, dass sich Modrava ständig verändert. Ich denke zurück, wie die beiden Brücken des Ortes erneuert wurden und wie die Straßenführung dabei sogar neu entstand. Bei der letzten Renovierung der alten Ortsstraße wurden Parkplätze und Gehwegbereiche so verändert, dass der Ort eine neue Schönheit wurde. Die Plattform mit Tischen und Sitzgelegenheiten aus wetterbeständigem schweren Material dort vorzufinden, wo die Vydra beim Zusammenfließen von den Flüssen Modravský potok und Roklanský potok beginnt, war eine positive Überraschung. Ich habe den Blick in der Herbstsonne an diesem besonderen Flecken genossen.

 

Hier entspringt auch unsere Vydra, der kürzeste und zugleich interessanteste Fluss des Böhmerwaldes, der durch den Zusammenfluss der drei Bäche Filipohutský potok, Roklanský potok und Modravský potok entsteht. Anders als man es sonst von Flüssen kennt, die aus einer Quelle sprießen, Wasser sammeln und immer gewaltiger erscheinen, ist die Vydra bei ihrer Entstehung schon ein kräftiger Wasserstrom. Wir lernen diese Wasserzubringer kennen, versuchen die Hochmoore zu verstehen und bewandern die Vydra mit all den Besonderheiten bis zur Einmündung der Křemelná in den Fluss bei Čeňkova pila, wodurch die Otava gebildet wird.

 

Winter in Modrava
Winter in Modrava

Zu erwähnen ist das Museum Dřevák. Lange hatte ich das alte Wohnhaus direkt am Fluss im Blick und hoffte, dass dieses einmal wieder zum Leben erweckt wird. Es schien schon lange unbewohnt. Dann endlich wurde auf den Grundmauern ein neues Haus gebaut: Es entstand ein Museum mit Shop sowie eine Holzwerkstatt als Paradies für Kinder. Sie können Holzvögel und anderes Spielzeug bemalen. Außerdem geben viele Tafeln wertvolle Informationen über das Holz im Böhmerwald.

 

Blick auf die ehemalige Resonanzfabrik  Franz Bienert
Blick auf die ehemalige Resonanzfabrik Franz Bienert

 

Bienertova pila heute Penzion Modrava

Das langsam wachsende Holz der Fichten zeichnet sich durch die Eigenschaft aus mitzuschwingen. Es ist als Resonanzholz für die Musikinstrumenteproduktion geeignet. Der Gründer der Erzeugung von Resonanzböden für die Geigen- oder Klavierfertigung war im Böhmerwald Franz Bienert. Im Jahr 1827 kaufte er in Modrava diese alte Brettsäge für die Bearbeitung von Resonanzholz. 1832 erhielt Franz Bienert vom Kaiser das Privileg zur exklusiven Produktion für 10 Jahre. Aus dem Holz wurden Platten für Saitenmusikinstrumente, Klaviere und Pianos hergestellt und nach ganz Europa und Amerika exportiert. Das Qualitätsfichtenholz, das sehr langsam wächst, wurde einzeln in den Bergwäldern für die Erzeugung ausgewählt. Es zeichnet sich durch eine interessante Eigenschaft aus, die Fähigkeit mitzuschwingen. Auch heute noch beklopfen erfahrene Experten die Bäume und bestimmen, welche Fichte sich für die Erzeugung von Musikinstrumenten eignet. Nach dem Tode von Franz Bienert verkaufte 1871 Frau Bienert die Fabrik. Die Produktion wurde 1880 nach Stožec verlagert. Ein Teil der Fabrik, ein Gebäude mit Turm und ein Fachwerksgebäude am Ufer des Roklanský potok, ist ein geschütztes Kulturdenkmal und dient schon seit Jahren der Erholung. In der letzten Zeit wurden umfangreiche Modernisierungsarbeiten durchgeführt und die Pension ist jetzt vollständig rekonstruiert. Die gegenüber erbaute Brauerei Lyer und das alte Gebäude der Pension bilden eine harmonische Einheit im typischen böhmischen Stil und dokumentieren Historie und Gegenwart.

Klostermannbaude

Blick von der Klostermannbaude auf Modrava
Blick von der Klostermannbaude auf Modrava

Hoch über Modrava thront die Klostermann Baude. 1924 wurde dieses historische Gebäude als Hütte des Touristenklubs Tschechiens erbaut. Der Architekt und Nationalkünstler Bohuslav Fuchs war verantwortlich für dieses Projekt. Die Baude hatte schon 1938 elektrisches Licht und fließend Wasser. Ihren Namen bekam sie von dem Schriftsteller Karl Klostermann (1848-1923), der in seinem Lebenswerk den Böhmerwald mit all seiner Schönheit und das Leben der Menschen vor Ort beschrieb. Im Jahre 1996 wurde die Baude zum Kulturdenkmal erklärt. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte die Grenzwache das Objekt. Danach wurde das Gebäude ein Erholungsheim für die Angestellten der Firma Škoda in Plzeň. 1996 musste die Klostermannshütte geschlossen werden. Das Objekt verfiel. Unter der Aufsicht der Nationalparkverwaltung und vor allem des Denkmalschutzes wurde 2002 mit Rekonstruktionsarbeiten begonnen. Die Baude wurde wieder original restauriert. Im April 2004 wurde sie wieder eröffnet und ist heute als Hotel mit einem Restaurant beliebt. Der Blick von der besonderen Lage der Baude oberhalb des Ortes ist einmalig. Dieses Foto entstand im Februar 2006.

 

 

Übersicht Modrava
Übersicht Modrava

Als das touristische Zentrum empfängt Modrava zu jeder Jahreszeit seine Gäste. Um hier zu ausgedehnten Wanderungen in die Natur an den Start zu gehen, finden wir alles Notwendige. Ein großer Parkplatz fängt die Tagestouristen auf, die bei schönem Wetter zahlreich kommen. Im Informationszentrum bekommt man Hinweise zur Umgebung. Fragen werden von fachkundigem Personal beantwortet. Neben Toiletten steht auch ein Bankautomat zur Verfügung.
Eine Pause zur persönlichen Stärkung ist in den zahlreichen gastronomischen Einrichtungen des Ortes jederzeit möglich.

Wir sollten aber immer daran denken, meine Berichte und meine fotografischen Augenblicke sind nur Momentaufnahmen. Wir leben in einer Zeit, in der man das Gefühl hat, die Veränderungen vollziehen sich schnell, sehr schnell. So erlebe ich es zur Zeit in Modrava. Komme ich ein paar Monate später wieder in diesen Ort, staune ich über alle Veränderungen, die sich vollzogen haben. Immer wieder entsteht eine neue Pension. Gegenüber dem Hotel Modrava wird demnächst auch etwas passieren, die Flächen sind schon von Menschenhand vorbereitet. Ich werde es erleben. Eine Fahrt in den böhmischen Herbst an die Vydra ist fester Bestandteil der Pläne meiner Fototouren.

Andererseits ist es wunderschön, dass die Natur hier in den höheren Bergregionen rund um Modrava nur sich selbst verändert. Die Gewalten der Stürme, des Schnees und des Regens verändern oft diese Natur, dass ich all die Blicke in die Täler, über die Moore sowie entlang der Bäche und über die Berge stets neu erlebe.

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Fotos, Skizzen & design © Bernd Willi Heinz Richter